Helge Schneider und sein echtes Leben. Es geht um Autos, Musik, Promis und seine dauernd rauchende Frau. Weil Helge Schneiders 1992 veröffentlichtes Buch "Guten Tach. Auf Wiedersehen" gar nicht der Wahrheit entsprach, hat der Allroundkünstler seine Biografie überdacht.
Wieder einmal hat unser Lieblingsjazzmusiker, -geschichtenerzähler und -autor aus Mülheim an der Ruhr eine Autobiografie vorgelegt, seine zweite Fassung, denn das im Jahr 1992 veröffentlichte "Guten Tach. Auf Wiedersehen" soll aufgrund des damals herrschenden Zeitmangels und der Beschränktheit des Autors zum größten Teil auf erfundenen Lügenmärchen basieren. Und da schließlich Hartmut Beck von der SPD Rheinland-Württemberg seine Memoiren noch einmal verändert hat, entschloss sich auch Helge Schneider, seinen Lebenslauf noch einmal zu überdenken. Wer an dieser Stelle eine ernsthafte Autobiografie erwartet, wird jedoch enttäuscht. In "Bonbon aus Wurst", benannt nach Schneiders Erfolgshit aus dem Jahr 1997, erzählt der Schreiber die Geschichte aus seiner ganz eigenen Sicht, kommt dabei von Höcksken auf Stöcksken, ist gleichzeitig Clown und ernsthafter Berichterstatter. Zum Beispiel als seine Frau die wertvolle Trompete, "ein hervorragendes Markeninstrument", versetzt um von dem Geld eine Getreidemühle zu kaufen oder sie bei einem schlimmen Sturm, der just die alte Kastanie auf Schneiders Haus hat krachen lassen, "mit der Vespa gerade vom Einkaufen kommt, mit dem Kind vor der Brust" und ihre brennende Zigarette wohl gezielt auf den verhassten Aston Martin wirft, der daraufhin in Flammen aufgeht. Helge Schneider kann aber auch anders, meistens dann, wenn es um seine Leidenschaft zur Musik geht: "Sammy Davis sang 'Girl from Ipanema', nur von Schlagzeug und Bass begleitet. Wenn ich heute daran denke, weiß ich, dass so etwas nie mehr vorkommt. Es ist Vergangenheit in der Musikgeschichte, die mit der Schnelllebigkeit unserer Zeit nicht konkurrieren kann. Von Beethoven wird man immer sprechen, von Buddy Rich nicht."
"Bonbon aus Wurst" ist mit Sicherheit keine Autobiografie wie man sie sich vorstellt. Trotz all der verrückten und wirren Geschichten verarbeitet Helge Schneider hier prägende Kindheitserinnerungen und lässt uns Teilhaben an seinen Verrücktheiten und seinem Musikgenie. Illustriert ist das Buch von vielen Schwarzweißfotos, die Helge und seine Welt zeigen – und natürlich nicht Ernst genommen werden dürfen. Damit unterscheidet sich "Bonbon aus Wurst" in keiner Weise und zugleich ganz deutlich von Schneiders fiktiven Vorgängerbüchern wie dem Expeditionsroman "Globus dei. Vom Nordpol bis Patagonien", der spanischen Halunkenschmonzette "Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas. Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers" oder dem Schicksalsroman "Eine Liebe im Sechsachteltakt", den Schneider unter dem Pseudonym Robert Fork heraus brachte. Helge Schneider Bonbon aus Wurst. Mein Leben. ISBN: 978-3-462-04103-3 Mai 2009, 144 Seiten, Taschenbuch, KiWi 1100, 7,95 Euro Übrigens: Bücher, CDs und DVDs von Helge Schneider gibt es auf www.amazon.de |