| ROY LICHTENSTEIN AUSSTELLUNG |
Pop Art auf Plakaten.Punkte, Streifen und Comic-Blondinen: Manchmal trifft einen die Kunst ganz unvermittelt. Dann, wenn man glaubt, zu wissen, was auf einen zukommt. Die Ausstellung "posters and more" im Schloss Oberhausen überraschte mit Motivvielfalt. ![]() Bei Pop Art kommen dem Kunstfreund zunächst Warhols Marilyns oder die Campbell's Soup- Dosen in den Sinn, vielleich noch Jasper Johns Flaggen und Zahlen. Auf jeden Fall sind Roy Lichtensteins Comic-Gemälde mit den weinenden Blondinen und den prägnanten Sprechblasen Ikonen der populären Kunst. Von einigen wenigen Comiczeichnern stammen die Vorlagen, die Lichtenstein stark vergrößerte, ausschnitt und mit seiner Handschrift, dem Raster, versah. Einige dieser berühmten Motive hat Lichtenstein für Plakate verwendet. Die Oberhausener Ausstellung "Roy Lichtenstein. posters and more" zeigte aber, wie Vielfältig die Auswahl des Pop Artisten gerade in Bezug auf seine Plakatarbeit war. Auf drei Etagen erwarteten den Ausstellungs- besucher Plakate von Roy Lichtenstein für Ausstellungen an denen er beteiligt war oder Auftragsarbeiten für Organisationen wie u. a. Unicef. Daneben waren nicht von Lichtenstein entworfene Plakate für Ausstellungen zu sehen, an denen er beteiligt war und die mit seinen Motive warben. In 35 Jahren sind rund vierzig eigenständige Plakatentwürfe entstanden, für etwa dreißig weitere Plakate wählte er die Motive aus. Die Oberhausener Ausstellung begann mit Lichtensteins Plakat zu seiner ersten Ausstellung im Jahr 1962 in der berühmten Leo Castelli Galerie in New York und schon diese Arbeit weist auf den programmatischen Umgang Lichtensteins mit dem gedruckten Plakat an sich. Die Girls und auch die Kriegsszenen aus den frühen Gemälden fanden ebenso Eingang in seine Plakatgestaltung wie auch seine "Brushstrokes", die Pinselstriche, mit denen er sowohl die Kunst des Abstrakten Expressionismus und des Action Painting konterkariert als auch zeigt, dass er nicht bloß der Comicmaler ist sondern sein Interesse der "Kunst als Motiv" gilt. Art Deco, Kubismus, Surrealismus sind die Richtungen, die von Lichtenstein in seinen Plakaten in seinen Comicstil übersetzt werden. Da werden auf dem Red Horseman Poster Pferd und Reiter in bester Picasso-Manier kubstisch zerlegt, erscheint ein Herr auf den Portrait Poster aus dem Jahr 1978 im Stile René Magrittes ebenfalls kopflos aber anstatt mit einem schwebenden Hut mit einer knallgelben Scheibe Käse. Roy Lichtenstein springt mit einer Leichtigkeit durch die Stilrichtungen der Kunst des 20. Jahrhunderts, dass man schmunzeln muss. So taucht auf einer Darstellung eines Wohnzimmers das Gemälde "Der Tanz" (1910) von Henri Matisse auf. Das Oval Office im Weißen Haus in Washington wird dagegen von zwei Lichtenstein-Gemälden geschmückt. Alles ist pop, die Welt als Comic, die Rasterpunkte sind dabei stets verbindendes Element. Und wenn Lichtenstein für eine Plakatarbeit einmal eine Fotografie verwendet, setzt er das Raster kurzerhand für sich allein stehend an den oberen Rand. Insgesamt lässt sich anhand der Plakate die Entwicklung des Motivspektrums Lichtensteins von den Girls bis zu den Imperfect-Paintings und den späten Landschaften im so genannten Chinese Style ablesen. Und wenn er selbst die Comic-Schönheiten aus seinen frühen Gemälden kaum für seine Plakatentwürfe benutzte, taten dies dann die Ausstellungsmacher in den USA und in Europa. Denn diese stehen wie kaum ein anderes Motiv für Lichtensteins Pop Art. Also: Die kleine Ausstellung in der Ludwig Galerie machte sehr viel Spaß. Mit ihren kurzen erklärenden Wandtexten und den fast ausführlichen Texten zu den verschiedenen Plakatgruppen konnte man den Künstler Roy Lichtenstein aus dem engen Korsett der Comicvorlagen heraus kennen lernen. ROY LICHTENSTEIN - posters and more23. Januar bis 1. Mai 2011LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Konrad-Adenauer-Allee 46049 Oberhausen |


