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ROBERT MAPPLETHORPE AUSSTELLUNG

Von Penissen und Blumen.

Das Werk des Fotografen wurde zu seinen Lebzeiten und auch posthum kontrovers diskutiert und sogar boykottiert. Die Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf ist eine künstlerische Notwendigkeit – und zeigt die gefährlichsten Fotos.
 
Körper wie Kunstwerke behandelt: Robert Mapplethorpe: Phillip Prioleau, 1980 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission.Es ist eine Symphonie in Schwarz, die dem Besucher in der Robert Mapplethorpe Ausstellung entgegen schlägt. Hintern, Geschlechtsteile und ganze Figuren seiner schwarzen Modelle regen heute niemanden mehr auf, sind sie doch trotz der schonungslosen Nähe künstlerisch distanziert und behandeln den menschlichen Körper als skulpturales Ereignis. Und wenn man heute als offener Museumsbesucher glaubt, alles schon gesehen zu haben, wird man in der Düsseldorfer Schau bisweilen schwer getroffen von den "schockierendsten – und gefährlichsten – Bildern der modernen Fotografie oder sogar der Kunstgeschichte". Dabei sind es weniger die martialischen Akte, sondern vielmehr die unglaublichen Selbstportraits, dann vor allem die überraschend poetischen Aufnahmen von Celebrities wie Mapplethorpes Gefährtin Patti Smith oder dem Künstler David Hockney, die sich nicht hinter einem Image verstecken sondern ihr wahres Wesen preisgeben.

Sehr gelungen ist in der Ausstellung das Zusammenfassen Mapplethorpes Werk nach Gruppen: die Fotografien schwarzer Männer vs. weißer Frauen, wie der Bodybuilderin Lisa Lyon, die  Gegenüberstellung von Penissen und Blumen, die Mapplethorpe in einem Interview selbst provozierte: "… I've tried to juxtapose a flower, then a picture of a cock, then a portrait, so that you could see they were the same." Und schließlich sind da jene Aufnahmen von klassischer Schönheit, die sich an den Skulpturen der Renaissance orientierten, sowie die  beeindruckenden Portraits von Kindern. Diese Zusammenstellung zeigt Robert Mapplethorpe als einen Künstler, der in seiner Zeit verankert ist; seine Zeitgenossen sind Andy Warhol und Brice Marden. Polaroids sind in den 1970er Jahren das Medium der Wahl und die Auseinandersetzung mit Körper und Sexualität ist bei vielen Künstlern ein Thema, das für einen gesellschaftlichen Wandel stand.

Fotograf und Tod: Robert Mapplethorpe: Self Portrait, 1988 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission.
Der 1946 geborene und 1989 verstorbene Robert Mapplethorpe ist einer der wenigen Künstler, denen es vergönnt ist, weit über die Grenzen der Kunstwelt hinaus bekannt zu werden. Er dominierte die Fotoszene des ausgehenden 20. Jahrhunderts und öffnete den Weg zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform, er verankerte das homosexuelle Sujet in der Massenkultur. Insbesondere in den USA wurde zu Lebzeiten und postum Mapplethorpes Werk kontrovers diskutiert; bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Ausstellungen seiner Fotografien boykottiert, zensiert oder geschlossen. Umstritten waren stets seine radikalen Darstellungen von Nacktheit und sexuellen Handlungen. Insbesondere Fotos sado-masochistischer Praktiken führten dazu, dass es bei Ausstellungen Protestkundgebungen gab und Museumsdirektoren verklagt wurden. In Japan hat das Oberste Gericht erst 2008 festgestellt, dass Mapplethorpes erotische Bilder nicht gegen das Pornografieverbot verstießen und damit einen acht Jahre lang beschlagnahmten Band mit Mapplethorpe-Fotografien freigegeben.

In Deutschland dagegen gehörten Mapplethorpes Fotografien zur "ästethischen Sozialisation" der Generationen, die in den 80er und frühen 90er Jahren aufwuchsen, wie Lisa Ortgies, Moderatorin von frau tv, anmerkt - die Fotografien wurden damals als Poster vertrieben und vor allem die "schwarzen" Portraits fehlten in kaum einer WG. Allerdings, so bemerkt Kurator Werner Lippert "bedarf diese Ausstellung auch keiner Rechtfertigung. Weil Mapplethorpe unbestritten einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts war. Sie ist eine künstlerische Notwendigkeit." Was Mitte der 80er Jahre vorrangig die Zensur beschäftigte, ist inzwischen museumswürdig geworden und nicht mehr Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen, sondern soziologischer und formalästhetischer Analysen.

Vor allem aber entwickelt Robert Mapplethorpe einen eigenen fotografischen Stil, der den Idealen von Perfektion und Form huldigt. "I look for the perfection of form. I do this in portraits, in photographs of penises, in photographs of flowers." Die Präsentation auf schneeweißen Wänden trägt dieser Betrachtung Rechnung und führt weg von der verschämten Boudoir-Präsentation auf flieder- und lila-farbenen Wänden, wie sie jahrelang die Ausstellungen Mapplethorpes beherrschten, und öffnet den Blick für eine eher konzeptionelle, minimalistische Betrachtung der Werke.

Robert Mapplethorpe

bis 15. August 2010

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf

Öffnungszeiten:
Di-So 11-20 Uhr, Fr 11-24 Uhr

Hinweis des NRW-Forums: Viele Motive in Mapplethorpes Fotografien sind eindeutig sexueller und homoerotischer Natur und können Besucher, insbesondere Jugendliche, in ihren Empfindungen verstören. Jugendliche unter 16 Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zugang zur Ausstellung.