Industrienatur mit Überraschungen. Die breiten Wege locken Spaziergänger, die steilen Hänge in dem bewachsenem Gelände Mountainbiker. Die Halde ist gleichermaßen naturbelassen und kultiviert: Skulpturen tauchen unvermittelt auf. Das Highlight: die mächtige "Himmelsleiter".
Dem im Jahr 2008 verstorbenen Recklinghäuser Landart-Künstler Hermann Prigann und der wuchernden Natur ist die heutige Gestalt der Halde Rheinelbe zu verdanken. Als Teil des IBA Emscher Park Projekts "Restflächen in der Industrielandschaft" entstand auf dem Areal der ehemaligen Zeche Rheinelbe am Städtedreieck Bochum, Essen und Gelsenkirchen ein einmaliges Naherholungsgebiet. Auf dem südlichen Bereich des Geländes befindet sich Halde. Diese wurde auch nach der Schließung der Zeche Rheinelbe im Jahr 1928 bis 1999 weiter genutzt, aufgeschüttet, wieder abgetragen. Im unteren, mit vielen Bäumen, vor allem Birken, und Sträuchern bewachsenen Teil ist die Halde Rheinelbe ein Tafelberg.
Drei breite Schotterwege führen spiralförmig und mäßig steil hinauf auf die Halde. Jeder der drei Aufgänge zur Halde werden flankiert von Portalskulpturen, die den Spaziergänger zum Gast werden lassen. Am meist genutzten Zugang über die Leithestraße steht die riesige bunte Windwaage.
Viel los ist hier zu jeder Jahreszeit: Familien mit Kindern, Hundebesitzer, Fotoamateure und Revier-Touristen sind unterwegs zu den ganz besonderen Plätzen, zu den mächtigen Betonplatten mit skurril anmutenden Ausschnitten aus alter Bergmannslyrik, der "Blauen Grotte" in einem ehemaligen Bunker, dem Säulenplatz, zu Skulpturen aus industriellen und natürlichen Materialien. Auf dem Weg hinauf machen zudem kleine Wege und Trampelpfade Lust auf eine Entdeckungstour durch das unwegsame Gelände und sind ein El Dorado für Biker.
Die Spitze der Halde Rheinelbe besteht aus reinem Bergematerial. Nach und nach erobert sich auch hier die Natur ihren Platz zurück. Hier findet man eine unwirkliche Landschaft vor, weite Freiflächen mit kleinen Seen. Dann läuft die Halde Rheinelbe bis zur 10 Meter hohen "Himmelsleiter" spitz zu. Eine Treppe führt hinauf zu der imposanten Skulptur aus den riesigen Betonquadern, die eine gewisse Leichtigkeit und zugleich eine enorme Stärke und Wucht ausstrahlt.
Vielleicht ist es eines dieser typischen Erlebnisse, die das Ruhrgebiet parat hält: 100 Meter über NN pustet ein heftiger Wind und die Aussicht legt dem Besucher die Region mit seinen Halden, Landmarken, Fördertürmen von Ewald in Herten über Zollverein in Essen bis zu Haniel in Bottrop, den riesigen Schornsteinen in Herne oder Scholven und vor allem dem vielen Grün zu Füßen. Ein ganz besonderes Grün liegt direkt am Fuße der Halde: das Wattenscheider Lohrheidestadion.
Auf dem Weg zurück in die Wirklichkeit hört man vielleicht einen Specht und bekommt Lust auf mehr Natur. Spannend sind die Begegnungen mit dem Förster des Rheinelbeparks, der im ehemaligen Umspannwerk an der Leithestraße (Tel.: 0209 1474844) Station bezogen hat und durch die Landschaft führt und dabei sehr viel Wissenswertes über die Tier- und Pflanzenwelt auf Rheinelbe erzählen kann. Rheinelbe – Art in Nature. Eine Werkschau Priganns Gesamtwerk, sein Arbeiten und Wirken im In- und Ausland und insbesondere der Umgang mit dem Gelsenkirchener Rheinelbe-Areal sind bis zum 26. September 2010 im ehemaligen Umspannwerk, jetzt Forststation Rheinelbe, zu sehen. Sie sind Ausgangspunkt für Exkursionen durch den Skulpturenpark Rheinelbe und in den Stadtteil. Eingebettet ist die Werkschau in das RUHR 2010-Projekt "Zwei Berge - eine Kulturlandschaft". Es thematisiert den sehr widersprüchlichen Landschaftsraum zwischen dem natürlich entstandenen Mechtenberg und der Halde Rheinelbe. Weitere Ausflugstipps im Ruhrgebiet: |