| ESSEN ORIGINAL VS. ORIGINELL |
Konsum nicht mit Kultur verwechseln.Am letzten Augustwochenende traf sich die Kulturhauptstadt bei Mark Medlock, Schlager und Klassik. Da die Jugend wegen befürchtetem "Fehlverhalten und Ausschreitungen" ausgeschlossen wurde, gab es einfach ein Konzert im Schaufenster. Als zu Beginn des Sommers das Programm für das Stadtfestival Essen.Original heraus kam, stutzte man und dachte zunächst, dass noch nicht alle Programmpunkte feststehen und das Programm noch im Aufbau sei. Doch weit gefehlt. Die völlig abgespeckte und auf Ü50 und peinlichen Mainstream gebürstete Version von Essen.Original, u. a. ohne die beliebte Turock-Bühne, war in dieser Form völlig gewollt vom Veranstalter, der EMG. Als es dann die Runde machte, dass aus Sicht der EMG die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht in die Innenstadt passen, formierte sich blitzschnell eine alternative Bewegung rund um den Leo Store am Ende der Viehofer Straße. Am Samstagnachmittag bot sich in Essen dann folgendes Bild: Die Limbecker Straße platzt aus allen Nähten – Konzerte, egal welcher Couleur, haben keine Chance gegen den wöchentlichen Shoppingwahn. An der großen Bühne auf dem Kennedyplatz ist gerade Umbaupause und die Gäste von Essen.Original belagern die Bierwagen und Speisebuden – jeder hat hier etwas zu Futtern in der Hand, Konsum zählt. Nur wenige Schritte weiter, tummeln sich Kaffeetrinker jeden Alters rund um das riesengroße grüne Sofa von Jacobs Krönung, ein paar Meter weiter üben sich vor allem die ganz jungen Essen.Original-Besucher an der Spielekonsole – Branding überall! Zur gleichen Zeit feiert die so genannte schwarze Szene vor dem Leo Store im Halbkreis den Auftritt der Dinslakener Band Bool, die mit solidem und kraftvollem Crossoverhardcoregrunge die Viehofer Straße in Grund und Boden rocken. Während im Geschäft der Verkauf weiter geht und stets Kunden ein und aus gehen, sammeln sich davor immer mehr Schaulustige – Familien mit Kindern, Metal- und Gothic-Fans, die in den letzten Wochen viel zitierten Jugendlichen, für die in der Essener Innenstadt kein Platz sei. Beobachtet wird die wilde und herzliche Party von einem massiven Polizeiaufgebot. Ebenfalls unter Aufsicht von ein paar privaten Securityschränken und von den zahlreichen Selbstversorgern durch eine Absperrung getrennt, spielt auf der Jugendamt-Bühne am Viehofer Platz die Nachwuchsband Stoned von der Performance her noch etwas steif, aber Energie geladene Coversongs von Franz Ferdinand bis Michael Jackson. Junge Gäste, ungekämmt und unangepasst, treffen auf stolze Eltern, die den Auftritt ihrer Kinder filmen. Am Bierstand: tote Hose. Zurück auf dem inzwischen gut gefüllten Kennedyplatz spielt das 70-köpfige Schöne- becker Jugend-Blasorchester Essen ein beachtliches Klassik-Konzert. Die Tribüne ist wie die vielen Sitzreihen vor der Bühne bis auf den letzten Platz besetzt mit beinahe ausnahmslos weißhaarigen Besuchern. Ein nicht angemessen gekleideter Mann, ca. Mitte 40 Jahre, geht langsam durch die Reihen. In der Hand hält er einen Pappbecher mit ein paar Münzen darin. Er fragt die Klassikfreunde höflich und nicht aufdringlich nach 20 Cent. Niemand gibt ihm etwas Geld. Ein Herr Mitte 70 fordert ihn statt dessen barsch auf, "gefälligst" zu verschwinden. Ist das Kulturhauptstadt? Bunt war Essen.Original 2009 lediglich durch die überaus friedliche Gegenveranstaltung Essen Originell. Für eine Stadt, die sich anschickt, Kulturhauptstadt Europas zu werden, keine große Leistung. Im Rahmen des jährlichen Festivals Essen.Original hätten die Macher Vielfalt demonstrieren können, der Ausschluss der Jugendszenen und Subkulturen hat Essen um Jahrzehnte zurück geworfen. |




Als zu Beginn des Sommers das Programm für das Stadtfestival Essen.Original heraus kam, stutzte man und dachte zunächst, dass noch nicht alle Programmpunkte feststehen und das Programm noch im Aufbau sei. Doch weit gefehlt. Die völlig abgespeckte und auf Ü50 und peinlichen Mainstream gebürstete Version von Essen.Original, u. a. ohne die beliebte Turock-Bühne, war in dieser Form völlig gewollt vom Veranstalter, der EMG. Als es dann die Runde machte, dass aus Sicht der EMG die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht in die Innenstadt passen, formierte sich blitzschnell eine alternative Bewegung rund um den Leo Store am Ende der Viehofer Straße.
Zurück auf dem inzwischen gut gefüllten Kennedyplatz spielt das 70-köpfige Schöne- becker Jugend-Blasorchester Essen ein beachtliches Klassik-Konzert. Die Tribüne ist wie die vielen Sitzreihen vor der Bühne bis auf den letzten Platz besetzt mit beinahe ausnahmslos weißhaarigen Besuchern. Ein nicht angemessen gekleideter Mann, ca. Mitte 40 Jahre, geht langsam durch die Reihen. In der Hand hält er einen Pappbecher mit ein paar Münzen darin. Er fragt die Klassikfreunde höflich und nicht aufdringlich nach 20 Cent. Niemand gibt ihm etwas Geld. Ein Herr Mitte 70 fordert ihn statt dessen barsch auf, "gefälligst" zu verschwinden.