| PFINGST OPEN AIR WERDEN |
Karneval der Subkulturen in Essen.Wie jedes Jahr lockte eine wilde Mischung der unterschiedlichsten Musikrichtungen die Massen an die idyllische Ruhr. Denn wenn für jeden was dabei ist, dann kommen sie alle: Metaller, Indie-Rocker, Teenie-Popper und Technoheads. Von M. Leifhold ... und bei schönstem Wetter hatten sie alle die Chance, ihre musikalischen Scheuklappen abzulegen. Während die ganze Welt nur von der Krise spricht, stehen die Zeichen für das Pfingst Open Air Werden auf Wachstum: Größere Bühne, mehr Futter-Stände mit längeren Schlangen davor und besseres Wetter. Zur Eröffnung spielten einige aufgehende Sterne am Himmel der Lokalmatadoren. Von diesen jungen Bands stachen vor allem Freakatronic hervor, denn die zwei Sound-Tüftler haben sich zu ihrem Elektro-Pop eine Geschichte ausgedacht: Sie sind Roboter von einem anderen Stern und sie wollen die Menschheit vor der Vernichtung durch schlechte Popmusik retten. Zu ihrer Bühnenshow gehören neben Androidenbewegungen und Phantasiekostümen auch zwei Robo-Tänzer, Teaserlisa und Tobiwan. Das Showkonzept hat Essen überzeugt: Trotz des Auftritts am frühen Nachmittag gelang es den Extraterrestrischen, ihr Publikum zum Tanzen zu bringen, ganz ohne Laserpistole oder Strahlenkanone. Der Gegensatz zur folgenden Band hätte kaum größer sein können: Ja, Panik aus Wien sind gegen die große Show. Den vier Indie-Rockern genügten ihre alten Instrumente und Verstärker um mit Songs voll verstecktem Humor das Publikum wieder auf Gitarrenmusik einzuschwören. Die Österreicher hielten ihr Konzept der Show-Verweigerung jedoch nicht zur Gänze durch: Der Sänger trug eine dem Zeitgeist geschuldete bunte Plastiksonnenbrille. Nach Ja, Panik gab es Blues von den Black Lips. Aber das Quartett von der US-Ostküste spielte den Blues glücklicherweise laut. Und dreckig. Und obwohl die Amerikaner immer noch am verlogenen Mythos vom ehrlichen Rock'n'Roll festhalten, kamen ihre eingängigen Riffs und vorhersehbaren Posen beim Publikum gut an. Im hintersten Winkel des Geländes legten auch in diesem Jahr die DJs ihre Vinyl-Scheiben und CDs auf, bzw. ein. House und Techno kamen mit dem nötigen Druck aus den Boxen, dementsprechend war das Partyvolk bester Laune. Auch einige Neulinge in Sachen elektronischer Tanzmusik schauten sich das Treiben auf der Dancefloor-Wiese an. Es wurden sogar Metaller in Jeans-Kutte gesichtet, die sich zu technoiden Klängen bewegten. Die meisten Festivalbesucher schauten aber nur kurz an der Elektronischen Wiese vorbei und kehrten schnell wieder vor die Hauptbühne, in bekanntere Gefilde, zurück. Wer hier auf eine weitere Verschärfung der Gangart in Sachen Härte gewartet hatte, wurde enttäuscht. The Whitest Boy Alive, die Band um den in Berlin lebenden Norweger Erlend Øye, pflegen eine ruhigere Variante des Gitarrenspiels. Sie kommen ohne Verzerrung aus. Die fehlende Wucht der Lautstärke machen sie aber mit hinreißenden Popmelodien, groovenden Bässen und Keyboardsolos wieder wett. Der heimliche Top-Act des Tages sollte eigentlich zuerst auf der Elektronischen Wiese spielen, womit sich die Veranstalter ein riesiges Eigentor geschossen hätten. Auf die Hauptstädter konnte sich das Essener Publikum schnell einigen. Nur ein paar in die Luft gereckte Arme benötigt Mastermind Øye, um die Massen zum Mitklatschen zu bringen. Wofür andere Bands regelrecht Animationskünste an den Tag legen müssen, um wenigstens etwas Publikumsresonanz zu erhalten, dafür reichten den allerweißesten Jungs die Songs aus ihren beiden Alben. Ihren Disco- und House-Einflüssen entsprechend gab es noch eine wunderbare Coverversion des 90er-Dance-Hits "Show me Love" zu hören. The Whitest Boy Alive waren durch eine überzeugende Leistung klarer Gewinner des alten Festivalspiels. "Und wer hat Dir am besten gefallen?" Die nachfolgende Band Jennifer Rostock wurde bestimmt von ihrer Teenager-Zielgruppe frenetisch gefeiert, doch die Erinnerung an ihr Konzert bei Bochum Total 2008 löste bei einigen Besuchern einen Fluchtreflex aus, den auch die Metal-Fossilien von Headliner Kreator nicht stoppen konnten. Diejenigen, die bis zum Schluss blieben, bekamen das volle Trash-Metal-Brett von den Urgesteinen um Sänger Mille Petrozza zu spüren – und die klassische Pommesgabel an jeder Ecke, spielten Kreator in Essen das letzte Konzert ihrer Welttournee. Im Gepäck hatten Kreator ihr zwölftes Album "Hordes of Chaos" sowie natürlich ein Best Of aus ihrer inzwischen 26-jährigen Bandgeschichte. Wie die Heimfahrt mit dem ÖPNV mit vielen der mehr als ausgelassenen, aber anscheinend nicht ausgelasteten Festivalbesucher die Erinnerung an einen gelungenen Konzerttag trüben kann, ist eine andere Geschichte … Bilder vom Pfingst Open Air Werden gibt es in unserer Fotogalerie. |




... und bei schönstem Wetter hatten sie alle die Chance, ihre musikalischen Scheuklappen abzulegen.
The Whitest Boy Alive, die Band um den in Berlin lebenden Norweger Erlend Øye, pflegen eine ruhigere Variante des Gitarrenspiels. Sie kommen ohne Verzerrung aus. Die fehlende Wucht der Lautstärke machen sie aber mit hinreißenden Popmelodien, groovenden Bässen und Keyboardsolos wieder wett. Der heimliche Top-Act des Tages sollte eigentlich zuerst auf der Elektronischen Wiese spielen, womit sich die Veranstalter ein riesiges Eigentor geschossen hätten. Auf die Hauptstädter konnte sich das Essener Publikum schnell einigen. Nur ein paar in die Luft gereckte Arme benötigt Mastermind Øye, um die Massen zum Mitklatschen zu bringen. Wofür andere Bands regelrecht Animationskünste an den Tag legen müssen, um wenigstens etwas Publikumsresonanz zu erhalten, dafür reichten den allerweißesten Jungs die Songs aus ihren beiden Alben. Ihren Disco- und House-Einflüssen entsprechend gab es noch eine wunderbare Coverversion des 90er-Dance-Hits "Show me Love" zu hören. The Whitest Boy Alive waren durch eine überzeugende Leistung klarer Gewinner des alten Festivalspiels.