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BOCHUMER MUSIKSOMMER

Und wieder: Alle in die City.

Bochum bekam nicht genug von der Open Air- Saison und setzte mit dem Bochumer Musiksommer Ende August zum Sommer-Endspurt an. Da spielten die Bochumer Symphoniker ebenso wie Tommy Finke, Näd Mika oder Mathias Schaffhäuser.

 

Trinkt der Bier? Nein. Der Kuhhirte bläst zum Bochumer Musiksommer.Vielfalt bringen die Macher des Bochumer Musiksommer in die Stadt. Nicht mehr und nicht weniger. An verschiedenen, bisweilen unge- wöhnlichen Orten zwischen Kuhhirte und Dreieck, zwischen Bahnhof und Propsteikirche wird Bochum zur Bühne, aus beinahe allen städtischen Institutionen, regionalen Proberäumen und über- regionalen Ecken werden Musiker und andere Musikkünstler herangekarrt, um in diesem Sommer noch einmal aufzuspielen: Klassik trifft Techno, Comedy trifft Jazz, Klavier trifft Musical. Wer in diesem aufmerksam auf den diversen Open Air-Festivals im Lande unterwegs war, wird beim Bochumer Musiksommer das eine und andere Highlight wiederfinden.

Los ging es am Donnerstag und schon vor der offiziellen Eröffnung hatte der Bochumer Musiksommer einige Stunden voller Musik hinter sich. Die Bochumer Symphoniker spielten bereits ab 10 Uhr eine öffentliche Probe. Clubbing stand ab 17 Uhr auf dem Programm: im Rahmen der Bochumer DJ-Legenden legte DJ Gärtner der Lüste in der Lounge am Kreuzungscarrèe Bongard-/ Kortumstraße auf. Zeitgleich öffnete auch das Winzerfest mit der Weinprinzessin des Anbaugebietes Pfalz und der Band bad boys. An der Grabenstraße Ecke Pauluskirche schredderten Butterfahrt 5 Popsongs, hexelten Rock und streuten eine Prise Wahnsinn darüber. Ebenfalls arg verrückt, aber mehr in Richtung Hip Hop, präsentierten westvanart auf der Massenbergstraße absolut energiereiche und tanzbare Musik mit treibenden Grooves.

Sehr lokal startete der Bochumer Musiksommer in den Freitag. Das Ensemble Die Spaßvögel der Bezirksmusikschule Wattenscheid zeigte, was mit Instrumenten so alles möglich ist. Anschließend ging das Radio Familienglück mit Gregor Polaczek und Meik Moritz auf Sendung und servierte via Vinyl erfrischende und tiefgründige Sounds aus dem Bereich der Deep-House-Musik. Auch die Kulturhauptstadt Istanbul war beim Bochumer Musiksommer mit von der Partie, als Fisfüz an der Christuskirche Jazz mit den edelsten und pikantesten Gewürzen eines orientalischen Bazars verfeinerte. Aus dem Thealozzi in die Stadt kam außerdem der Tatort Jazz mit seinem Jugendnachwuchs und Kompositionen für vier Schlagzeuge. Kleine Checker und heiße Ladys, Macho-Texte und politische Statements, gewaltige Stimmen und Bewegungskunst brachten X-Vision auf die Bühne auf der Massenbergstraße. Bevor im Bermudadreieck die obligatorische Freitagsparty startete, hatte der Bochumer Musiksommer gleich drei Höhepunkte: Mathias Schaffhäuser legte auf, Tommy Finke brachte den kultigen Kuhhirten mit deutschsprachigem Indiepop zwischen Rio Reiser und Wir sind Helden in Wallung, Serge Corteyn und Freunde  traten im "Sozialpalast"  an. Für maximales Clubfeeling sorgte anschließend Näd Mika aus Essen. Krönender Abschluss an der DJ-Front: das Set des Tarm-Veteranen ATB.
 

Mr. Logo Ralf Odermann brachte Elektronisches an die Haltestelle.Am Wochenende geht der Bochumer Musiksommer traditionell schon zur Mittagszeit los. Am Samstagmittag spielten The Tomcats puren Rock'n'Roll, setzte sich Volker Dunisch im Bahnhof ans Klavier, präsentierten sich Künstler der Ruhrtriennale 2009, u. a. Mitglieder des Ensembles mit der zentralen Produktion "Moses und Aron". Auch Bochumer DJ-Legende und Logo-Clubber Ralf Odermann war mit von der Open Air-Partie: In der Lounge legte er aber Deep House und Dub- bzw. Detroit-Techno auf. Nur ein paar Anhänger der angenehmen Elektroklänge kamen gezielt zum Set von Odermann, der hier das Dach des Boulevards, bzw. das U-Bahn-Dach, fliegen lassen wollte. Ab die Shoppinggelüste der Passanten  waren stärker, kaum jemand erkannte, dass hier, zumindest bei geschlossenen Augen, Urlaubsfeeling aufkam. Klassisch jazzig ging es mit Jean Yves Braun, Caspar van Meel und Dominic Brosowski zu, die Band Chocolate com Laranja präsentierte dagegen brasilianische Musik mit all ihren Facetten - von Folklore bis Jazz, von Samba bis Bossa Nova, von Chorinho bis zu den Gesängen der brasilianischen Indios. Elektronische Klänge gab es in der Lounge von Mike Litt, der später noch das Jugendsinfonieorchester traf. Jamirolike, die einzig authentische Jamiroquai Tribute-Show Deutschlands, brachten die Musikfans ebenfalls zum Tanzen. Wer dagegen mehr auf Inhalte steht, war im Sozialpalast genau richtig: Tom Liwa erfüllte den Wohnwagen mit einer Lebendigkeit, die das Gefährt während des Parkens fahren lässt. Er bereist mit seinen Worten und mit seiner Musik eine Strecke, die er mit dem Wohnwagen in 25 Jahren gefahren zu sein scheint.

 

Durch und durch musikalisch und familiär ging der Bochumer Musiksommer dann am Sonntag in den Endspurt. Den Anfang machte DJ-Legende Klaus-Peter Boehmelt, das Trotz Alledem-Theater präsentierte sich beim Kindertag im Bermudadreieck mit den Stücken "Ernst & Huberti in Hollywood" und "Ein Elefant wollt' bummeln gehen". Old School-Sound kam dagegen von Benedikt von Randow, der seinen Bahnhof Langendreer für sein DJ-Set gerne verlässt. Highlight für Tatort-Fans dürfte der Auftritt der Miro Nemec Band am Kuhhirten gewesen sein. Musikalisch gesehen reichte das Repertoire der Band von alten Klassikern wie "Born to be wild" und "With a little help of my friends" bis zu aktuelleren Liedern. Zum Abschluss von vier Tagen Bochumer Musiksommer bekam die Clubszene noch einmal mächtig was auf die Gehörgänge: Clubmusik und jazzig-loungigen Klänge von den floorJIVERS.

Alles in allem präsentierte der Bochumer Musiksommer wieder vielfalt, auch aus stilistischer Sicht. Vielleicht schauen sich die Veranstalter für die 2010er Ausgabe noch intensiver in der Stadt um, denn da gibt es vor allem für die DJ-Lounge bestimmt einen noch angemesseneren Ort!?

 

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