HEISSE ZEITEN im Theater im Rathaus Essen
Suche
Galerie
ZECHE HANNOVER

Wehrhafte Burg oder typische Revierzeche?

Kein Förderturm mit schwerem Stahlgerüst ist hier zu sehen, dennoch ist die Zeche Hannover eine Zeche und kann, wie im Ruhrgebiet üblich, besichtigt werden. In der Maschinenhalle ist die Dampffördermaschine aus dem Jahr 1893 der Star.

Schuhe der Bergleute vor der Bergbauburg Zeche Hannover.Mit ihren Zinnenkränzen, Blendbögen und Simsen erhebt sich die Zeche Hannover am Rande des großen Königsgruber Parks an der Stadtgrenze Bochum/Herne. Sie ist einmalig im Ruhrgebiet: Das Gebäudeensemble erinnert mehr an eine mittelalterliche Burganlage und ist damit gleichzeitig typisch für die frühen Tiefbauzechen im 19. Jahrhundert. 1857 auf einem Acker entstanden, entwickelte sich die später kruppsche Zeche Hannover mit einem Kraftwerk, einer neuen Kokerei und weiteren Förderschächten bis 1908 zu einer innovativen Großzeche: die erste Turmfördermaschine, die erste Vierseilförderung und das noch heute weltweit eingesetzte System der Koepe-Förderung, benannt nach ihrem Erfinder, dem Bergwerksdirektor Friedrich Koepe, wurden hier entwickelt. Im umliegenden Gebiet entstanden verschiedene Arbeitersiedlungen, allen voran die sehenswerte Siedlung Dahlhauser Heide, die heute auf der Route der Industriekultur Arbeiter- und Wohnkultur markieren.

Von dem weitreichenden ehemaligen Industriestandort sind heute noch einer der ursprünglich zwei Malakowtürme über Schacht I, die langgestreckte Maschinenhalle und das Grubenlüftergebäude mit seinen zwei mächtigen Austrittsdiffusoren zu sehen. Das Gelände um die Zeche Hannover wurde insgesamt renaturiert. Alles ist aufgeräumt auf dem Zechengelände, das heute einer der vielen Standorte der Marke "Westfälisches Industriemuseum" ist. Doch so ganz aufgeräumt ist es dann doch nicht, denn vor der massiven Kulisse liegen wie auf einem Feld der vergangenen Arbeit die Schuhe der Bergleute. Sie sind immer paarweise angeordnet, liegen dennoch kreuz und quer auf dem Boden, und zeugen sowohl von harter Arbeit, den Witterungseinflüssen wie auch den Begehrlichkeiten der Besucher der Zeche. Denn an den Arbeitsschuhen geht niemand einfach so vorbei: Kinder rütteln fasziniert an ihnen herum und jeder Besucher mit einer Digitalkamera geht auf Knie und knipst ein Erinnerungsfoto.

Die zweizylindrige Compound-Dampfmaschine von 1893 in der Maschinenhalle der Zeche Hannover.Während die kleinen Fans der Zeche Hannover dann ziemlich schnell den hämmernden Geräuschen folgen und sie in den nächsten Stunden auf dem wohl schönsten Spielplatz im Ruhrgebiet, der Zeche Knirps, mächtig beschäftigt sind, zieht es die Freunde der Industriekultur in die große Maschinenhalle der Zeche Hannover. Auf den ersten Metern erinnert sie eher an einen Ballsaal, im hinteren Teil der Halle wird es Technikfreaks dann angesichts der ältesten an ihrem originalen Standort erhaltenen Fördermaschine des Ruhrbergbaus, einer zweizylindrigen Compound-Dampfmaschine von 1893, warm ums Herz. Auf großen Tafeln wird die Funktionsweise des Technikmonstrums mit den berühmten Koepe-Scheiben erläutert. Für schmunzelnde bis lachende Gesichter dagegen sorgt der Arbeitsplatz des Fördermaschinisten, der mit heutigen Maßstäben in Sachen Ergonomie lange nicht mehr Schritt halten kann. Insgesamt bilden die weitgehend erhalten gebliebenen und restaurierten Fördereinrichtungen im Inneren der Zeche Hannover den Ausbauzustand der Krupp-Zeche um 1900 ab. Übrigens: bei Erlebnisführungen wird die historische Dampf- fördermaschine als Schauvorführung in Gang gesetzt.

An jeder Stelle wird dem Besucher der Zeche Hannover die harte Arbeit längst vergangener Zeiten bewusst gemacht, über sie wurde in zahlreichen Ausstellungen berichtet. Aber auch das Leben und die Menschen rund um die Zeche Hannover und reviertypische Themen stehen immer wieder auf dem Programm, wie ein Blick auf frühere Ausstellungen zeigt: Kumpel auf vier Beinen. Grubenpferde im Ruhrbergbau, Neapel - Bochum - Rimini. Arbeiten in Deutschland. Urlaub in Italien. Italienische Zuwanderung und deutsche Italiensehnsucht im Ruhrgebiet, Zwischenstand - Ruhrgebietsindustrie zwischen Abriss und Denkmal.

Ausstellung im Malakowturm.Nicht nur in der lang gestreckten Maschinenhalle gibt es viel zu entdecken, der Innenraum des Malakowturm ist ebenso sehenswert. Durch die großen Rundbogenfenster strömt bei Sonnen- schein das Licht atmosphärisch in den hohen Raum, das massive Mauerwerk und die Stahlstreben und -treppen machen diesen Ort einmal mehr zum Zeugnis der Ruhrgebiets- vergangenheit. Der Schachtturm war Mitte 1858 fertig gestellt und zählt mit den Türmen der Zeche Carolinenglück in Bochum-Hamme und der Zeche Carl in Essen-Altenessen zu den drei ältesten erhaltenen Malakowtürmen im Ruhrgebiet. Auch hier finden heute Ausstellungen statt, werden Bilder vom gestrigen und heutigen Ruhrgebiet gezeigt.

Ein weiteres Highlight ist der gemütliche Biergarten der Zeche Hannover. In den Sommer- monaten von Mai bis Oktober genießt man hier sein Bier vor stilvoller Ruhrgebietskulisse. Auch finden hier regelmäßig Events statt, wie die kultigen "Nacht-Schnittchen" mit Comedy aus dem Ruhrgebiet. 

 

Zeche Hannover

Günnigfelder Str. 251
44793 Bochum
Tel: 0234 6100-874

Öffnungszeiten:
April bis Oktober Mi-Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr
für angemeldete Gruppen mit Führung ganzjährig

 

Weitere Ausflugstipps:

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren