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GERHARD RICHTER

Farbenrausch, Unschärfe und Kuh im MKM.

Mit der Ausstellung "Gerhard Richter - Bilder aus privaten Sammlungen" waren in diesem Sommer im Duisburger Museum Küppersmühle Gemälde des deutschen Künstlers zu sehen, die irritierten und entschlüsselt werden wollten.
 
Gerhard Richter, Kuh, 1964 Sammlung Ströher (c) Gerhard Richter, 2009 / Foto: KatalogSechs gelbe Farbflächen streng zu zwei Paaren nebeneinander auf weißem Grund angeordnet. Große, sich zum Teil überlagernde Farbflächen in Grün und Gelb, nur durchbrochen von einem pastos in Rot aufgetragenen Pinselstrich. Eine Stadtlandschaft wie durch das verschmierte Fenster aus dem Zug heraus gesehen. Vier Damen und ein Herr, die zur Cocktailstunde fröhlich zusammengerückt und deren Körper mit blutigen Nähten übersät sind. Gerhard Richter zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Seine Gemälde sind motivisch vielfältig, der Festlegung auf einen Stil hat er sich stets entzogen. Immer geht es aber um die Frage: Was ist die Wirklichkeit eines Bildes? Und so steht nicht primär die Abbildung im Vordergrund sondern das Medium Malerei ist das, was Gerhard Richter interessiert.

Anleihen aus der klassischen Malereigattung des Stillebens, mit dem die Künstler des 17. bis 19. Jahrhunderts ihr Können auf die Spitze trieben, bürstet Gerhard Richter ebenso gegen den Strich wie den Abstrakten Expressionismus, den Minimalismus eines Ad Reinhardt oder die Pop Art und bezieht sich gleichzeitig auf sie. So stellt das Gemälde "Kerze" (1982) lediglich einen  Ausschnitt eines klassischen Stillebens dar und entzieht sich in seiner Unschärfe der rein bildhaften Darstellung. Auch das Bild "Kuh" (1964) spielt mit dem Motiv indem es das Tier in schwarzweiß darstellt und es konkret benennt. Erst zwei Jahre später überschwemmte Andy Warhol den Markt mit seinen bunten Cow-Siebdrucken und auch zum urdeutschen Motiv, dem Schloß Neuschwanstein, lieferte Gerhard Richter dem amerikanischen Pop Artisten quasi die Vorlage: im Gemälde aus dem Jahr 1963 schwebt die Architektur als unvollendetes Stück vor einer beinahe abstrakten Landschaft.

Farbenrausch in Duisburg: Blick in die Ausstellung Gerhard Richter - Bilder aus privaten Sammlungen.Die Ausstellung zeigte insgesamt Arbeiten aus den entscheidenden Werkphasen Richters, von den frühen Foto-Bildern über die formal strengen Farb-Anordnungen bis zu den abstrakten Arbeiten der jüngeren Zeit. Immer aber geht es bei Richter um Möglichkeiten und Grenzen der Malerei, Kontrolle und Zufall, Einfluss von Medien und Technologie, der Wirkungsweise von Farbe. Wie Farbe wirkt demonstrierte Richter, der die Hängung der Bilder für die Duisburger Ausstellung individuell auf die Räume des Museums ausgerichtet hatte, sowohl mit seiner großen monochromen Serie in Grau und zugleich mit Arbeiten wie "Abstraktes Bild, Courbet" (1986) oder "Abstraktes Bild" (2000), in denen die Farbe nahezu zu explodieren scheint. In die reine Abstraktion führt Richter die Farbe im Bild "25 Farben" (2007) über, indem er 25 gleichwertige Quadrate zu einzelnen Farbpixeln überführt – ein mediales Mosaik, wie Gerhard Richter es im gleichen Jahr im Südhausfenster des Kölner Doms verwirklicht.

Mehr Richter in Duisburg

Eine Besonderheit in Duisburg war die Nähe zu einer ungewöhnlichen Arbeit Gerhard Richters im öffentlichen Raum: Anfang der 90er Jahre hat er gemeinsam mit Isa Genzken die U-Bahn-Haltestelle König-Heinrich-Platz in der Duisburger Stadtmitte gestaltet und ein komplexes räumliches Werk über drei Etagen geschaffen. Die für ihn typischen farbigen Flächen und die Verwendung von Spiegeln finden sich hier ebenso wie eine Auseinandersetzung mit der Duisburger Stadtgeschichte und dem Werk des berühmten Duisburger Kartographen und Philosophen Gerhard Mercator (1512-1594).
 

GERHARD RICHTER - BILDER AUS PRIVATEN SAMMLUNGEN

21. Mai bis 23. August 2009

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst

Innenhafen Duisburg
Philosophenweg 55
47051 Duisburg
Tel: 0203 301948-11
 

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