| ALICE IN CHAINS IN DORTMUND |
Live-Knaller mit Wumms und Wehmut.Das war ein Nachschlag mit Nachhall im rappelvollen FZW. Sänger William DuVall und Mastermind Jerry Cantrell sorgten mit Songs wie "Them Bones", "No Excuses" oder "It ain't like that" für Gänsehaut beim erwachsenen Publikum.
Manche Konzertankündigungen verursachen spontane Gänsehaut – bei Alice In Chains ist die gesamte Bandgeschichte mit solchen Momenten bestückt und der Fan steht stetig entweder unter Strom oder findet sich in einer Schockstarre. Die Veröffentlichung des neuen Albums "Black Gives Way To Blue" brachte die Band aus Seattle endlich wieder nach Deutschland und beim Konzert im Dortmunder FZW, übrigens noch einmal im Rahmen des Visions-Geburtstages, war klar, dass Sänger William DuVall sowohl stimmlich als auch in Sachen Performance nicht mehr nur der Ersatzmann bei Alice In Chains ist. Denn egal ob Songs vom 90er-Album "Facelift", den Hits von "Dirt" aus 1992, den ruhigen Stücken der "Jar Of Flies" (1994) oder eben den aktuellen Songs von "Black Gives Way To Blue", William DuVall versucht nie den 2002 verstorbenen Layne Staley zu imitieren, obwohl er genauso klingt. Er hat seinen Platz in der Band gefunden und geht auf der Bühne mächtig ab. Und weil der Sound von Alice In Chains auch immer schon vom Gesang von Gitarrist Jerry Cantrell geprägt wurde, bekam der Freund der gepflegten Disharmonien im FZW das volle Brett: Alice In Chains klingen wie immer und das ist auch gut so.
Während William DuVall die knapp 90 Minuten wie ein Derwisch über die Bühne fegte, blieb Jerry Cantrell beinahe unbewegt und cool. Doch die Begeisterung des abgehenden Publikums bewegte ihn sichtlich. "Damn That River", "Angry Chair" und "Man In The Box" oder "Down In A Hole", der Soundtrack zum perfekten Suizid, waren prädestiniert für wahre Gänsehaut-Attacken. Untermalt wurde das ganze Spektakel von Videoschnipseln auf der überdimensionalen Wand hinter der Band - da pochte nicht nur das Herz vom Artwork des neuen Albums. Nach der regulären Spielzeit brauchte das Publikum nicht lange, die Zugaben "Lesson Learned", "Would?" und "Rooster" machten das Konzert zu einer wirklich runden Sache. |





Los ging es pünktlich um 20 Uhr mit "Rain When I Die" und "Them Bones". Erstaunlich, wie textsicher man nach so vielen Jahren noch ist und gestandene Männer, zum Teil noch immer mit langen Haaren, die ersten beiden Songs komplett und lautstark mitgrölten. Die Setlist war ausgewogen, eine Art Best Of der letzten 18 Jahre gab es in Dortmund zu hören, die neuen Songs mit ihren Alice In Chains-typischen Breaks und getragenen Melodien und vielen Mark erschütternden "Yeahs" fügen sich nahtlos ein. Zeitlos schön und schräg funktioniert der so genannte Grunge auch heute noch, auch wenn man gut und gerne auf diese Schublade verzichten kann. Schön ist dabei, dass man keine karrierten Hemden mehr tragen muss.