HEISSE ZEITEN im Theater im Rathaus Essen
Suche
Galerie
SERDAR SOMUNCU IN BOCHUM

Vom Comedian zum Propheten.

"Als die Ossis nach Deutschland kamen haben sie den Türken die Arbeitsplätze weggenommen." Und nicht nur Deutsche, Ossis und Türken bekamen vom gefährlichsten Türken der Nation beim Auftritt im Bahnhof Langendreer in Bochum ihr Fett weg.

Serdar Somuncu im Bahnhof Langendreer in Bochum.Schon beim Eintritt in den ausverkauften Bahnhof Langendreer blieb einem das Lachen im Halse stecken, zeigte der auf die Handinnenfläche aufgedrückte Eintrittsstempel das Wort "Reich" und in Anbetracht des angekündigten Programms passte das irgendwie - ob es gewollt oder purer Zufall war. 
 
Und dann ging es Schlag auf Schlag - Hasstirade auf Hasstirade feuerte Serdar Somuncu ins Publikum: Deutsche, Türken, Ossis, Juden, Schwule, Hennes Bender, Mario Barth, das Fernsehen, die Medien sowieso, Frauke Ludowig, Dieter Bohlen, Lorielle aus dem Dschungelcamp, Bionade, Nazis, Natascha Kampusch, die geheuchelte Betroffenheit über die tags zuvor vom Amokläufer in Winnenden Getöteten, dass die Kölner sich jetzt selbst zerstören, in Berlin Prenzlauer Berg Kinder mit Namen aus der Zeit ihrer Großeltern mit Bobbycars über Parkettböden krachen, die Käuflichkeit eines jeden, der tägliche Faschismus in uns allen. Aber auch der Demagoge Serdar Somuncu, der vom Comedian, über den Kabarettisten zum Propheten und Hassisten wurde, musste zugeben, eine käufliche Nutte zu sein und berichtete von gut bezahlten Auftritten beispielsweise in Cindy aus Marzahns neuer RTL-Serie oder beim Evangelischen Kirchentag in Hannover. Und immer wieder das Land in dem er lebt: In Deutschland hast du nur eine Möglichkeit - entweder du wirst wahnsinnig oder Terrorist.
 
Das Fernsehen ist der neue Hitler
Und so wird einem vorgeführt, wie der kleine Faschismus doch in uns steckt, man hin und wieder an der falschen Stelle lacht und es hoffentlich wenigstens noch zumindest in jedem Moment merkt. Immer wieder denkt man: Er hat Recht. Serdar Somuncu hat Recht, wenn er an die immer wiederkehrende Situation im Leben erinnert, wenn man sich an einer Gabelung befindet und doch viel zu oft den Weg des geringsten Widerstands geht. Man fühlt sich zurecht beschimpft und möchte seinen eigenen Hass hinausschreien. Und: Jede Minderheit hat ein Recht darauf, gehasst zu werden. Das wusste auch das Publikum im Bahnhof Langendreer, das Serdar Somuncu lautstark feierte, als er sich nach 80 Minuten von der Bühne verabschiedete. 
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren