Wir sind Kulturhauptstadt, auch 2012.
Das Weltkulturerbe war Dreh- und Angelpunkt der Kulturhauptstadt. Architektur, Design, Tanz, Kunst und und und begeistern in Essen auch danach Ruhrstädter und Touristen gleichermaßen. Der Hit: die Führung "Über Kumpel und Kohle". Der Förderturm an sich hat als Symbol für das Ruhrgebiet einen argen Ausverkauf erfahren, an dem Doppelbockfördergerüst auf Zollverein mag man sich dagegen gar nicht satt sehen. Auf dem Gelände der Übertageanlagen sind stets Fotografen unterwegs und es scheint, als wollten sie das Revier-Wahrzeichen auf eine ganz neue Art darstellen, einen völlig anderen Blickwinkel finden, wie es zuvor noch niemandem gelungen ist.
Ähnliche Szene spielen sich täglich vor dem Kölner Dom ab – bleibt man geografisch in der Nähe. Dabei steht Zollverein in der UNESCO-Liste neben Denkmälern wie dem Taj Mahal in Indien, dem Grand Canyon in den USA oder den Klöstern an den Hängen des Popocatepetl in Mexiko. Doch Zollverein ist weder ein Ort von religiöser Bedeutung, noch ein Naturdenkmal, sondern in erster Linie ein Ort, der die untergegangene Industrieära symbolisiert und "ein repräsentatives Beispiel für die Entwicklung der Schwerindustrie in Europa", wie es in der Begründung des Welterbekomitees steht.
Den auf Zollverein verwirklichten typischen Backsteinstil kennt man auch von anderen Zechenanlagen im Ruhrgebiet. Auf dem weitläufigen Gelände in Katernberg planten die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer Ende der 20 Jahre aber eine Ensemblearchitektur, die in ihrer sachlich-funktionalen Konsequenz ihresgleichen sucht. Heute, mehr als 160 Jahre nachdem die Abteufarbeiten für Schacht 1 auf Zollverein begannen, sind viele Zeichen der Zeit verschwunden. Das Gelände präsentiert sich aufgeräumt, kultiviert für die Besucher, und beinahe nur noch die Erzählungen während der Besucherführungen oder die zahlreichen Publikationen berichten von der harten Arbeit.
Industriedenkmal als Erlebnispark Am Schacht XII, am repräsentativen Ehrenhof, dem Platz vor dem Doppelbockfördergerüst, ist der beste Ort, einen Rundgang zu beginnen. Hier erhebt sich der Förderturm imposant über der lang gezogenen Schachtanlage. Links vorbei führt ein neuer Weg zum Besucherzentrum in der Kohlenwäsche, das vor zwei Jahren über die neue Rolltreppe einen modernen Zugang erhalten hat. Diese ist mit ihren 58 Meter langen Gangways Deutschlands höchste freistehende Fahrtreppe und war am Anfang arg umstritten, da sie am Denkmalcharakter des gesamten Ensembles kratzte.
Die Kohlenwäsche war schon Schauplatz verschiedener Ausstellungen. Doch mit dem Ruhr Museum gibt es auf Zollverein nun ein weiteres Highlight. Hier wird die Geschichte des Ruhrgebiets im modernen Gewand präsentiert, ganz im Sinne des Kulturhauptstadtgedanken. Daneben wird weiter gebaut: Bis zum Jahresende soll der Bau gegenüber der ehemaligen Kohlenwäsche fertiggestellt sein. Neben den Depots für die Fotografie, die Archäologie und die Grafik werden hier auch Büros, eine Handbibliothek, ein Fotolabor und Räumlichkeiten für Ausstellungsvorbereitungen untergebracht. Entworfen wurde das Gebäude von Ahlbrecht + Scheidt Architekten BDA in Essen.
Die Atmosphäre auf Zollverein erfährt man auf der einen Seite beim Spaziergang über das Gelände. Bei jedem Schritt eröffnen sich durch die verschieden großen Gebäude stetig neue Ansichten. Besonders auf dem Weg vom Ehrenhof zwischen Elektrowerkstatt und Zentralwerkstatt in Richtung Kompressor, dann links bis zum Kesselhaus mit dem Designzentrum NRW zeigt, wie Vielfältig und zugleich stringent hier Architektur verwirklicht wurde.
Geht man weiter in Richtung Lesebandhalle, öffnet sich das Gelände, Natur macht sich breit. Dann kommt man zum frei stehenden Aschebunker mit der beeindruckenden Raumskulptur "La Primavera" von Maria Nordman. Insgesamt spielen Kunstinstallationen eine große Rolle auf Zollverein, allen voran die Skulptur "Grundstein", die der Bildhauer Ulrich Rückriem mit einem Ensemble aus mannshohen Steinquadern 1991 realisierte.
Das zweite Gelände auf Zollverein, Schacht 1/2/8, liegt etwas weiter nördlich und ist noch als ursprünglicher zu beschreiben. Doch auch hier, wo sich das Choreographische Zentrum NRW, der Kunstschacht Zollverein oder die Keramische Werkstatt Margarethenhöhe angesiedelt haben, ist mit der Designstadt eine Erweiterung in Planung, die dem Designstandort mit red dot design museum und Designschool insgesamt gerecht wird. Führungen auf Zollverein Die Zeche Zollverein ist ein abwechslungsreicher Erlebnispark für jedermann. Thematisch ganz verschiedene Angebote machen die Vielseitigkeit greifbar und lassen den Besucher tiefer in die Materie eintauchen. Ehemalige Bergleute berichten von der industriellen Vergangenheit auf Zollverein und machen damit Geschichte lebendig, Architekturstudenten weisen auf Besonderheiten hin, die einem beim Rundgang auf eigene Faust vielleicht verborgen bleiben, Pädagogen zeigen, dass Zollverein mit jedem Freizeitpark mithalten kann.
Für alle Führungen ist eine Anmeldung erforderlich: Besucherzentrum Kohlenwäsche, Schacht XII Gebäude A14 Gelsenkirchener Str. 181 45309 Essen 0201 830360
Über Kohle und Kumpel: Führung über das Welterbe Zollverein Schacht XII 8,- Euro (ermäßigt 5,- Euro), ca. 2 Stunden Mo-Fr 14 Uhr (in den Schulferien auch um 11 Uhr) Sa+So 11-16 Uhr (stündlich)
Der Weg der Kohle: Von der Förderung bis zur Verladung 12,- Euro, ca. 3 Stunden 3. Sonntag im Monat, 14:30 Uhr
Von Kohle und Koks: Kombiführungen Zollverein Schacht XII und Kokerei 12,- Euro, ca. 4 Stunden (inklusive Kaffeepause im Kokerei Café) Sa+So 13:30 Uhr
Zollverein kompakt: Kurzkombiführung über Kohle und Koks 8,- Euro (ermäßigt 5,- Euro), 2 Stunden 2. Sonntag im Monat, 14:30 Uhr
Zollverein im Wandel: Gestern – heute – morgen. 15,- Euro, ca. 4 Stunden (inklusive Kaffeepause) Jeden 1. Samstag im Monat, 14:30 Uhr
Führung durch die Kohlenwäsche: Technik, Architektur, Strukturwandel 8 Euro (ermäßigt 5,- Euro), 2 Stunden 2. Samstag im Monat, 14:30 Uhr
Spätschicht: Zollvereiner führen über Schacht XII 15,- Euro (inklusive Getränk), ca. 3 Stunden Fr, 19 Uhr
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