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NORDSTERNPARK IN GELSENKIRCHEN

Markus Lüpertz schafft Kunstwerk im Park.

Sobald in Gelsenkirchen die Sonne scheint kommen sie, die Familien, Radfahrer, Spaziergänger, Wasserratten, Hundebesitzer, Jogger, Kletterer, Picknicker, Ausflügler und Musikfans. Und sie alle suchen Erholung am Rhein-Herne-Kanal.

Brücke im NordsternparkEine Familie fährt auf Fahrrädern direkt am Wasser entlang. Ein junges Paar sitzt auf den Steinen am Kanal und schaut dem vorüber ziehenden Frachter nach. Eine Gruppe Kletterer macht sich auf, einen Felsen zu erobern. Touristen liegen auf einer Wiese und bestaunen quadratische Bäume. Wie beinahe überall im Ruhrgebiet, beginnt die Geschichte des Nordsternparks mit einer Stilllegung, nämlich mit der letzten Grubenfahrt auf der Zeche Nordstern im Jahr 1993. Nur vier Jahre später war das Gebiet um die ehemalige Zeche herum kaum wieder zu erkennen: die Bundesgartenschau war Publikumsmagnet, die den Grundstein für das heutige Gebiet legte.

In den letzten zehn Jahren hat sich hier alles verändert. Gearbeitet wird immer noch, doch nicht unter Tage, sondern in modernen Büros der anspruchsvoll ausgebauten Gewerbeflächen. Doch man wäre nicht im Ruhrgebiet, wenn die Geschichte des Bergbaus nicht auch neben dem imposanten Förderturm noch lebendig wäre und so erfahren Kinder- und Erwachsenengruppen in dem 1997 von Lehrlingen des Bergwerks HUGO/Consolidation angelegten Bergbaustollen eine Menge über die harte Arbeit und das schwarze Gold (Infos zu Gruppenführungen gibt es unter 0209 57042).

Hier wird nichts dem Zufall überlassen
Im Nordsternpark lohnt es sich die offiziellen Wege zu verlassen. Die Natur hat sich hier und dort ihren Raum zurückerobert, wie es im Ruhrgebiet stets so schön heißt, wenn es um die inzwischen umgenutzten und zu Denkmälern erhobenen ehemaligen Industrieorte geht. Doch auch dieser Wildwuchs ist bloße Gestaltung durch Unterlassung. Direkter hingegen wurde eine ehemalige Hafenmauer mit bunten und wirklich sehenswerten Graffiti bearbeitet. Seit 2005 treffen sich hier regelmäßig und ganz legal anerkannte Künstler mit ihren Spraydosen und führen ihr Kunstwerk, das inzwischen zur Hall of Fame stilisiert wurde, weiter.

Dann steigt der imposante Kohlebunker empor, durchbricht die Idylle und fügt sich zugleich in die akkurat gestaltete Parklandschaft ein. Geht man um diesen Koloss herum, entdeckt man wunderschöne Ansichten aus der industriellen Vergangenheit des Ruhrgebiets. Natürlicher Wildwuchs und gepflegte Rasenflächen wechseln sich ab. Dann wird es anstrengend, wenn man den Ehrgeiz entwickelt, diesen merkwürdigen Berg hinaufzugehen. Und bald versteht man, dass man mitten im Ruhrpott eine Pyramide bezwungen hat.

Natur pur im Nordsternpark Gelsenkirchen.Ebenfalls sportlich geht es an den Felswänden des Deutschen Alpenvereins Sektion Gelsenkirchen e.V. zu. Wer angesichts der Routenhöhen von bis zu 16 Metern lieber festen Boden unter den Füßen behalten möchte, findet seine Entspannung vielleicht einfach beim Zuschauen, dabei sind gerade Anfänger immer gerne eingeladen, das Klettern einmal auszuprobieren (Infos Mo-Fr 18-19 Uhr unter 0209 25986).
 
Umbau des Nordsternturms
Im Nordsternpark entsteht nun ein echter kultureller Höhepunkt: Der THS-Schachtturm wird mit einem gläsernen Kubus und einer 18 Meter hohen Bergmannsplastik des Künstlers Markus Lüpertz gekrönt und zur Aussichtsplattform umgestaltet. Im Kulturhauptstadt-Jahr gehört der knapp 100 Meter hohe Turm zu den sieben offiziellen Hochpunkten. Mit den Fördermitteln der Bezirksregierung Münster werden die Ebenen 5 bis 11 im Förderturm zu einer musealen Ausstellungsfläche für Videokunst aus der Sammlung Goetz umgebaut. Außerdem entsteht eine öffentlich zugängliche Dachterrasse.
 
Ab aufs Wasser
Zurück in Richtung Amphitheater kommt man an der Anlegestelle für Ausflugsschiffe vorbei. Verschiedene Linien erschließen von hier aus das dichteste Wasserstraßennetz Deutschlands. So fährt beispielsweise das Schiff Friedrich der Große immer samstags zum Stadthafen in Recklinghausen (Herner Personenschifffahrt, Tel: 02323 9171468) , das Fahrgastschiff Rheinfels aus Duisburg bieten Fahrten für Fahrradfahrer nach  Ruhrort an und wenn im benachbarten Herne die Cranger Kirmes tobt, kommt sogar die Weiße Flotte Baldeney (Tel: 0201 8404360) hier vorbei. In den Sommermonaten heißt es also regelmäßig "Leinen los". Ab Gelsenkirchen-Schalke (Anleger gegenüber dem Stadthafen)  fährt übrigens die Santa Monika z. B. nach Oberhausen oder Henrichenburg (Tel: 02381 460444).
 
Wer lieber in Gelsenkirchen bleibt, sollte den Kanal überqueren und die südliche Parkseite entdecken. Bei heissen Temperaturen herrscht nämlich Ausnahmesituation im Kinderland, wo ein toller Wasserspielplatz, eine Großrutsche, eine Wippe, Kletterpyramiden und Sandkästen auf die abenteuerlustigen kleinen Nordsternparkfans warten.

Nach einem ausgiebigen Picknick auf einer der großen Wiesen oder einer gepflegten Tasse Kaffee im schönen Biergarten der Gastronomie Heiner's ist der Ausflug noch nicht zu Ende. Eine wahre Attraktion bietet sich mit dem Deutschlandexpress, einer der größten Dreileiter-Modellbahnanlagen der Welt. Hier kann man hier von der Nordsee bis in die Alpen fahren. Doch so weit muss die Reise gar nicht gehen, haben wir doch vom Ruhrgebiet bisher immer noch nicht alles gesehen …
 
Fotos aus dem Nordsternpark gibt es in unserer Bildergalerie.

Nordsternpark Gelsenkirchen

Am Bugapark 1
45899 Gelsenkirchen

Neben den vielen Brücken, allen voran die Doppelbogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal, prägen die Radwege als Teil des ca. 700 Kilometer langen Emscherpark-Radweg das Gesicht des Parks.

Mächtig voll wird es immer zu besonderen Events: Bei Festivalbesuchern ist der Nordsternpark mit seinem direkt am Wasser gelegenen Amphitheater zur beliebten Top-Location in NRW geworden und wenn einmal im Jahr die Extraschicht ins Ruhrgebiet lädt, ist auch im Nordsternpark mächtig was los. Bekannt wie ein bunter Hund, ist der Nordsternpark mit seinem vielfältigen Angebot auch immer noch ein Geheimtipp. Hier sind vor allem Gelsenkirchener Familien oder sehr gut vorbereitete Profi-Ausflügler unterwegs.

 

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